• 9. November 2018

    Berliner Zeilen 15/2018

    Liebe Genossinnen und Genossen,
    liebe Freundinnen und Freunde,

    in diesen Tage geht es geht um nicht weniger als die Existenz der großen Sozialdemokratie. Dabei werden wir gebraucht wie eh und je.

    Als die Arbeiterbewegung entstand, war sicher unvorstellbar, was heute, über 150 Jahre danach, alles erreicht werden konnte. Gleichzeitig bleiben viele Aufgaben bestehen, und neue sind dazugekommen:

     

    * Die Welt ist heute kaum sicherer und friedlicher geworden, auch wenn es weniger die Staaten sind, die gegeneinander Krieg führen.

    * Globalen Entwicklungen kann man sich heute ähnlich ausgeliefert fühlen wie früher dem Fürsten oder Fabrikbesitzer.

    * Damals durften die Armen nicht wählen, heute gehen sie nicht mehr zur Wahl, weil sie sich davon keine Veränderung für ihr Leben erhoffen.

    * Die Ungleichheit ist teilweise extrem, der Graben zwischen Vorstandsgehältern und Durchschnittseinkommen wird immer größer.

    * Der Wandel in Wirtschaft und Arbeitswelt ist massiv und kann zu neuen Spaltungen führen.

    * Wer aus einer Arbeiterfamilie kommt oder einen Migrationshintergrund hat, hat bei uns nach wie vor weniger Chancen in Schule und Ausbildung.

    * Der Sozialstaat wird nicht als Helfer empfunden, sondern als bevormundend, bürokratisch, kalt. Organisierte Solidarität darf gelebte Solidarität nicht ersetzen.

    * Die Individualisierung und neue Technologien haben die Menschen freier gemacht, aber auch einsamer und überforderter.

    * Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist brüchig, es fehlt ein “Wir”, das alle einschließt.

     

    Die SPD muss wieder Antworten auf diese Fragen geben. Und diese SPD sind wir.

    Das ist einer der Gründe, warum ich als Landesvorsitzender der SPD Baden-Württemberg kandidiere: nicht länger warten, nicht von anderen fordern – sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt. Die SPD Baden-Württemberg soll sich vom Sorgenkind im Südwesten zum Motor und Ideenlieferanten der Bundespartei entwickeln. Das ist mein Anspruch.

    Dazu brauchen wir vor allem eins: Mut zur Vision. Bis heute wird mit Helmut Schmidt die Aussage verbunden, wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen. Dass dieser Satz tausendfach zitiert wurde, war ihm selber nicht recht. Er wird es besser gewusst haben.

    Ich bin fest davon überzeugt: Wir müssen ein überzeugendes, ein sozialdemokratisches Bild davon zeichnen, wohin wir dieses Land in Zeiten großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbrüche führen wollen. Einen Gesellschaftsentwurf, der zeitgemäß und breit genug ist, Menschen ganz unterschiedlicher Hintergründe anzusprechen und der die SPD wieder zur Plattform für Erneuerungswillige macht.

    Der SPD mangelt es nicht an Themen, der SPD mangelt es an Richtung. Wohin soll es gehen? Wie kommen wir dahin? Wie sehen gesellschaftliche Bündnisse aus, mit denen wir unsere Ziele erreichen? Erst wenn die Richtung klar ist, lässt sich sinnvoll über Themen streiten.

    In den nächsten Tagen stehen noch die letzten Termine meiner Basistour durch das ganze Land an und ich freue mich darauf, dort mit Ihnen und Euch genau darüber zu sprechen: in welche Richtung es gehen soll. So kann die Mitgliederbefragung zum Ausgangspunkt für einen Neuanfang werden, der die SPD wieder zum Ort spannender gesellschaftlicher Zukunftsfragen und gemeinsamer Problemlösungen macht.

    Ihr/Euer
    Lars Castellucci

    PS: Natürlich haben die SPD-Mitglieder in Baden-Württemberg den Anspruch, etwas von ihrem künftigen Landesvorsitzenden zu erfahren. Wofür stehe ich, was ist mir wichtig, was ich in der SPD Baden-Württemberg ändern will, das habe ich in meinem Programm aufgeschrieben.

    PPS: In dieser Woche habe ich im Bundestag zum UN-Migrationspakt gesprochen. Das Video dieser Rede findet sich hier.

    Termine:

    • Samstag, 10. November, 10 Uhr: Regionalkonferenz zum Mitgliederentscheid, Stadthalle, Hindenburgstr. 4, Waldkirch.
    • Samstag, 10. November, 16 Uhr: Regionalkonferenz zum Mitgliederentscheid, Kornhaus, Kornhausplatz 1, Ulm.
    • Sonntag, 11. November, 15 Uhr: Landeskonferenz der Arbeitsgemeinschaft Migration & Vielfalt, ver.di Bezirk Mittelbaden-Nordschwarzwald, Rüppurrer Str. 1A, Karlsruhe.
    • Montag, 12. November, 18 Uhr: Vorstellung bei der SPD und den Jusos Böblingen, Suite 25, Marktplatz 25, Böblingen.
    • Montag, 12. November, 19:30 Uhr: “Keinen Weltfrieden ohne Religionsfrieden – Die 10 Gebote”, Carl-Ullmann-Haus, Kreisental 22, Epfenbach.
    • Dienstag, 13. November, 22 Uhr: SPD-Empfang zur Synode der EKD, Maritim, Pleichertorstr. 5, 97070 Würzburg.

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