• 6. November 2020

    Berliner Zeilen 14/20

    Liebe Genossinnen und Genossen,

    liebe Freundinnen und Freunde,

     

    es ist klar: Angesichts der stark steigenden Infektionszahlen müssen wir etwas unternehmen, um die Kurve schnell wieder abzuflachen. 50 Fälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner sind die Schwelle, bis zu der eine Nachverfolgung der Infektionsketten gelingen kann. Das ist die entscheidende Frage: Wollen wir die Situation unter Kontrolle zu halten versuchen oder wollen wir es laufen lassen? Ich bin für den Versuch der Kontrolle.

    Immer wieder wird mir entgegengehalten, es würden ja gar nicht so viele Menschen sterben und viele würden es auch ohne Corona. Das ist einerseits richtig und gerade ein Beleg dafür, dass wir bislang politisch gut durch die Pandemie gesteuert haben. Andererseits wirft es die Frage auf, was „gar nicht so viele“ denn bedeuten soll. Wenn ein Familienangehöriger betroffen ist, verschiebt sich das ganz schnell. Deshalb arbeite ich dafür: so wenige wie möglich. Die grundlegenden Verhaltensweisen Abstand zu halten, Masken zu tragen, Hände zu waschen und zu lüften, sind nach meiner Auffassung vertretbare Zumutungen für uns alle.

    Wo Existenzen bedroht oder ganze Branchen stillgelegt werden, müssen wir mit Hilfen zur Seite stehen. Ich suche hier auch den Kontakt im Wahlkreis zu Hoteliers, zur Veranstaltungsbranche oder zu Künstlerinnen und Künstlern, um Lücken zu identifizieren und mich in Berlin entsprechend einsetzen zu können. Mit dem Virus leben heißt dafür arbeiten, dass möglichst wenige Menschen erkranken, aber eben auch das Leben in unserem Land nicht komplett anzuhalten. Hier müssen wir immer wieder neu eine Balance finden. Darum werden wir im Deutschen Bundestag weiter ringen.

    Wo intensiv an überzeugenden Hygienekonzepten gearbeitet wurde, sollte es aus meiner Sicht auch möglich sein, sich in diesen kontrollierten Räumen aufzuhalten. Wenn pauschal Museen, Opern- und Theaterhäuser, Hotels und Restaurants unabhängig davon geschlossen werden sollen, habe ich dies für nicht verhältnismäßig, nicht einmal für sinnvoll gehalten, denn der private Bereich ist viel weniger kontrollierbar. Gleichzeitig war es auch nach den Erfahrungen des Frühjahrs richtig, Kitas und Schulen offen zu halten. Kontakte einzuschränken ist der wirkungsvollste Weg, die Kurve abzuflachen. Nachdem im Sommer viele schon dachten, wir hätten es geschafft, brauchte es ein klares Signal und sicher auch ein bundeseinheitliches. Denn am föderalen Vielklang gab und gibt es viel (berechtigte) Kritik, vor allem, wo es weniger um das Virus und mehr um Profilierung in Wahlkämpfen geht. Diese Nebenschauplätze dürfen uns aber nicht von der eigentlichen Herausforderung ablenken, das Gesundheitssystem und damit Menschen zu schützen.

    Ich bin zuversichtlich, dass die Maßnahmen greifen. Wenn ich die nächsten Zeilen schreibe, wissen wir mehr.

     

    Herzlich grüßt

    Ihr/Euer Lars Castellucci

    PS Nach meiner Rede gestern zum Thema „Staatsleistungen an Kirchen“, die unter https://dbtg.tv/fvid/7481492 zu finden ist, hat mich ein AfD-Abgeordneter gefragt, warum ich ihn unanständig finde. Das habe ich ihm gern erklärt: https://de-de.facebook.com/larscastellucci/videos/1499891740399530/.

     

    Termine:

    *         Donnerstag, 12. November 2020, 19 Uhr: „Trotz Corona: Welche Einwanderung brauchen wir?“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Was Menschen bewegt“ der SPD Mühlhausen, Dielheim und Rauenberg mit Jendrik Scholz vom Deutschen Gewerkschaftsbund Baden-Württemberg, Katrin Sommerfeld vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und Klaus Pawlowski, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Heidelberg. Teilnahme über Zoom https://zoom.us/j/92749687755 oder YouTube-Livestream https://youtu.be/lh9Obvadtgk.

     

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