• 26. März 2015

    Berliner Zeilen – 09/2014

    Liebe Genossinnen und Genossen,
    liebe Freundinnen und Freunde,

    “dass es gut war wie es war, das weiß man hinterher; dass es schlecht ist wie es ist, das weiß man gleich”, singt Hilde Knef. Tatsächlich sind zumindest viele von uns so gestrickt, dass sie erst wirklich spüren, wie gut es ihnen ging, wenn es grade wieder vorbei ist. Wir freuen uns also in aller Regel nicht so entsprechend über einen Sonnentag im Urlaub, wie uns ein Regentag nervt. Oder darüber, wenn grade mal nichts zwickt im Vergleich dazu wie es nervt, wenn sich mal wieder eine Erkältung ankündigt. Diejenigen, die das hier lesen und sich wundern, sind dann jedenfalls ziemlich sicher keine Sozialdemokraten. Die freuen sich nämlich nicht nur nicht angemessen über die Sonne, sondern sehen in der Regel schon wieder die Wolken aufziehen. Wahrscheinlich taugt man nur so zum Weltverbesserer, insofern ist das auch in Ordnung so.

    Was soll dieses Geschreibe? Ich habe am Mittwoch beim Hoffest der Fraktion kurz mit einer glücklichen Katja Mast gesprochen. Sie freute sich sichtlich auf den folgenden Tag, als wir endlich den flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohn durchgesetzt haben. Gut, das hatte dann auch noch etwas mit Stolz auf die eigene Leistung zu tun, denn zusammen mit Andrea Nahles, der stv. Fraktionsvorsitzenden Carola Reimann und der Ausschussvorsitzenden Kerstin Griese hat dieses Frauenpower-Kleeblatt tatsächlich richtig geackert und intensiv verhandelt und herausgekommen ist sehr schnell und sehr umfassend ein Riesenerfolg der SPD! Über zehn Jahre war das mit eine der wichtigsten Forderungen, die wir erhoben haben. Sie hätte schon zusammen mit den Arbeitsmarktreformen unter Rot-Grün kommen müssen, war damals aber nicht durchsetzbar. Jetzt ist der Mindestlohn Wirklichkeit – freuen wir uns also! Über vier Millionen profitieren sofort. Etwa fünf werden es sein, wenn die Übergangsfristen 2017 rum sind. So geht Politik für die Menschen!

    In einem halben Jahr haben wir daneben eine Riesenreihe weiterer Gesetzesvorhaben durchgebracht: Die Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts, das Rentenpaket, Unterstützung für Städte und Gemeinden und vieles mehr. Ich hoffe, dass auch die Skeptiker in unseren Reihen sehen, dass wir die Große Koalition nutzen können für sozialdemokratische Politik. Durch den Gegenwind der Union nicht immer in Reinform, aber doch große Schritte in die richtige Richtung.

    Total begeistert war ich übrigens am Montag von meiner ersten Schülerbesuchergruppe. Die Jungs und Mädels von der Stephen-Hawking-Schule aus Neckargemünd waren wahnsinnig interessiert und neugierig, wie mein Alltag so aussieht und wie ich angefangen habe Politik zu machen. Dann ging es um die Legalisierung von Marihuana, Zensur von Videospielen, warum man noch Hausaufhaben aufkriegt, wenn man bis 16 Uhr Schule hat, bis hin zu Sterbehilfe. Ich habe sie ermuntert, sich selbst politisch zu engagieren. Zumindest die Legalisierung von Marihuana müssen sie nämlich selbst durchsetzen, da war ich schon als Juso dagegen.

    Allen, denen ich in den nächsten Wochen nicht begegne, wünsche ich jetzt schon einen schönen Sommer. Die Berliner Zeilen gibt es wieder im September, wenn der Bundestag zur 1. Haushaltswoche für 2015 zusammentritt.

    Herzliche Grüße
    Lars Castellucci

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