• 19. Mai 2017

    Berliner Zeilen 06/17

    Liebe Genossinnen und Genossen,
    liebe Freundinnen und Freunde,

    am Sonntag habe ich abends gedacht: Wie mag es wohl insbesondere den vielen neuen Mitgliedern gehen, die voller Euphorie in den letzten Monaten in die SPD eingetreten sind, um etwas zu bewegen? Unsereins hat ja schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Klar, es gibt schöneres im Leben als solche Balken beim Gong um 18 Uhr. Aber andererseits: Die Verlierer vom Sonntag waren letztes Mal die Gewinner und können nächstes Mal wieder die Gewinner sein, wenn sie sich berappeln, ehrlich schauen, woran es lag und wieder neu starten. Das ist Demokratie.

    Bei den Wahlen ist jedenfalls wieder klar geworden, wofür wir nicht gewählt werden:

    • Für das, was wir in der Vergangenheit erreicht haben.
    • Dafür, dass es so bleiben soll.
    • Für Erklärungen, warum etwas nicht geht.
    • Für den Kompromiss.

    Die SPD muss Hoffnungen wecken.

    Eine SPD ohne Hoffnung ist wie eine Kirche ohne Glauben, hat Willy Brandt gesagt. Und sie muss Hoffnungen, die sie weckt, auch erfüllen. Und wo sie es nicht vermag, sich wenigstens mit aller Leidenschaft einsetzen.

    Natürlich ist das einfacher hier geschrieben, als in der Realität immer umgesetzt. Diese Woche haben uns die Grünen mal wieder mit der „Ehe für alle“ gejagt. Wir wollen als SPD auch, dass Homosexuelle wie alle anderen heiraten können. Die CDU ist aber dagegen und der Koalitionsvertrag bindet uns. Der Zorn richtet sich natürlich gegen uns, in die man eigentlich Hoffnungen gesetzt hat und nicht gegen die CDU, von der eh nichts zu erwarten ist. Das frustriert mich doppelt, weil wir bei dem Thema nicht weiterkommen und uns gleichzeitig auch noch die Schuld dafür gegeben wird. Dabei ist mir eine Reaktion auf Twitter durchgerutscht, die natürlich auch nichts geholfen hat. Gut, was gelernt, weiter geht’s.

    Besser läuft es bei zwei anderen Themen:

    Viel Kritik gab es in allen Ländern an der Bildungspolitik. Diese Woche haben wir den Weg eröffnet, dass der Bund künftig wieder die Städte und Gemeinden unterstützen kann. 3,5 Milliarden für Schulbauten, das ist ein Wort!

    Oder die Alleinerziehenden, denen wir schon lange Verbesserungen versprechen. Politik muss irgendwann ankommen. Und das wird sie jetzt: Der sogenannte Unterhaltsvorschuss, der gezahlt wird, wenn ein Elternteil den Verpflichtungen nicht nachkommt , wird nun gezahlt bis das Kind 18 Jahre alt ist. Lange hat es gedauert, harte Verhandlungen waren nötig, jetzt ist es erreicht.

    Martin Schulz hat am Dienstag an Johannes Rau erinnert. Der erzählte von einem Pfarrer, der gefragt wurde, wie viel man denn bei der Kollekte geben sollte. Die Antwort des Pfarrers: Wenn Du doppelt so viel gibst, wie Du wolltest, hast Du die Hälfte von dem gegeben, was der liebe Gott von Dir erwartet. Umgemünzt auf die Frage, wieviel Wahlkampf es denn sein darf: Gerne das Doppelte von dem, was wir bereits vorhaben und dann noch eine Schippe drauf.

    Ich bin dabei!

    Ihr/Euer

    Lars Castellucci

     

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