• 26. März 2015

    Berliner Zeilen – 01/2014

    Liebe Genossinnen und Genossen,
    liebe Freundinnen und Freunde,

    die erste Sitzungswoche des neuen Jahres neigt sich dem Ende entgegen. Die vergangenen fünf Tage waren sehr ereignisreich, spannend und informativ. Ein guter Zeitpunkt, mich mit den Berliner Zeilen zurückzumelden.

    Das Wichtigste: Endlich sind die Ausschüsse geklärt. Ich freue mich, zukünftig die Interessen der Bürgerinnen und Bürger meines Wahlkreises als Mitglied des Innenausschusses und des Europaausschusses sowie als stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung vertreten zu können.

    Während sich der Innenausschuss mit Themen wie direkter Demokratie, Kommunalpolitik und  Bürgerrechten befasst, beschäftigt sich der Europaausschuss vorrangig mit Fragen der internationalen Beziehungen, der Finanzen sowie der europäischen Wirtschafts- und Sozialpolitik.
    Inhaltliche Überschneidungen gibt es insbesondere in den Bereichen der Asyl- und Flüchtlingspolitik sowie des Datenschutzes. Im Innenausschuss werden zudem auch kirchliche Angelegenheiten behandelt. Dies alles sind spannende Themen, bei denen ich mich gerne einbringen werde.

    Gewählt wurde in der Baden-Württemberger Landesgruppe. Mit Katja Mast als neuer Vorsitzenden sowie Lothar Binding und Heike Baehrens haben wir einen neuen Landesgruppenvorstand. Und gleich vier Sprecherpositionen kann unsere Landesgruppe vermelden: Katja Mast (Arbeit und Soziales), Hilde Mattheis (Gesundheit), Rainer Arnold (Verteidigung) und Lothar Binding (Finanzen).

    Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. So hat die SPD Rhein-Neckar das Jahr 2013 mit einem kleinen Mitgliederplus abgeschlossen. Das hat es schon einige Jahre nicht mehr gegeben!

    Nun wünsche ich Ihnen und Euch ein gutes, vor allem gesundes neues Jahr!

    Herzlich
    Euer/Ihr Lars Castellucci

  • 3. Februar 2015

    Pressemitteilung: Junge Leute für Nachhaltigkeitsdialog gesucht – Lars Castellucci ruft zu Bewerbung auf

    Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Castellucci sucht gemeinsam mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung junge Verantwortliche in der Kommunalpolitik oder im Kommunalbetrieb zum gegenseitigen Austausch über Aktivitäten im Bereich nachhaltiger Entwicklung.

    Die Einladung zum Dialog richtet sich an Haupt- und Ehrenamtliche in der Kommunalpolitik, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kommunalen Wirtschaft sowie der Verwaltung, die nicht älter als 30 Jahre sind. Die Auswahl erfolgt durch den Nachhaltigkeitsrat entsprechend dieser drei Tätigkeitsbereiche sowie nach Geschlecht, regionalem Proporz und Alter (jüngste Bewerber). Bewerbungen sind bis zum 15. Februar 2015 unter www.kommunaldialog.nachhaltigkeitsrat.de möglich.

    „Die auf kommunaler Ebene tätigen Akteure spielen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen eine entscheidende Rolle. Sie sind nah an den Bürgerinnen und Bürger, haben mehr direkten Gestaltungsspielraum und sind flexibler in der Umsetzung von Maßnahmen als wir auf Bundesebene“, fasst der Abgeordnete die Rolle der kommunal Engagierten zusammen.

    Die Teilnehmer diskutieren zunächst online. Vom 15. bis 17. April 2015 findet in Berlin eine Konferenz statt. Fahrtkosten, Übernachtung und Verpflegung werden übernommen. Die Ergebnisse gehen u.a. als eigenständiger Beitrag in die Fortschreibung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie ein und werden am 3. Juni 2015 auf der Jahreskonferenz des Nachhaltigkeitsrates der Öffentlichkeit vorgestellt.

    Lars Castellucci ist seit 2013 SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Rhein-Neckar und stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung.

  • 30. Januar 2015

    Pressemitteilung: Lars Castellucci und Andrea Schröder-Ritzrau begrüßen Gemeinschaftsschulen in Wiesloch, Dielheim und Mühlhausen

    Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Castellucci und Andrea Schröder-Ritzrau von der Arbeitsgemeinschaft für Bildung der SPD Rhein-Neckar/Heidelberg begrüßen den Startschuss für die Einrichtung zu Gemeinschaftsschulen in den Wiesloch, Dielheim und Mühlhausen. „Wir freuen uns, dass die Anträge der Schulen erfolgreich waren und danken den vielen engagierten Lehrkräften, Schulleitungen, den politisch Verantwortlichen und allen, die sich mit dafür eingesetzt haben. Der große Einsatz vor Ort hat auch unsere Gespräche in Stuttgart und Karlsruhe leichter gemacht.“ Die zwei SPD-Politiker sind sich sicher: „Die Einführung der Gemeinschaftsschulen ist ein Riesenerfolg der grün-roten Landesregierung. Das Schulsterben im ländlichen Raum hat ein Ende, es bleibt die Devise „kurze Beine, kurze Wege“.

    Andrea Schröder-Ritzrau betont: „Als Ganztagsschulen bringen die Gemeinschaftsschulen Verlässlichkeit vor allem den Familien, die schon im Kindergarten Ganztagsangebote gewählt haben, zum Beispiel um Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können.“  Hinzu kommt das besondere pädagogische Konzept mit besserer individueller Förderung: „Die Einführung der Gemeinschaftsschulen in den Gemeinden wird dazu beitragen, unser Bildungssystem gerechter zu gestalten. Unser Ziel ist, dass der Bildungserfolg unserer Kinder nicht mehr von ihrer sozialen Herkunft abhängt“, so Schröder-Ritzrau. Der stv. SPD-Landesvorsitzende Lars Castellucci forderte die oppositionelle CDU auf, sich endlich gemeinsam mit Grünen, FDP und SPD für einen Schulfrieden einzusetzen: „Eine Milliarde mehr in Bildung, 10.000 mehr Lehrerstellen als von schwarz-gelb vorgesehen, Schulstandorte gesichert – das darf niemand mehr in Frage stellen. Kollegien, Eltern und nicht zuletzt die Kinder verdienen, dass nun alle an einem Strang ziehen für beste Bildung in Baden-Württemberg.“

  • 25. Januar 2015

    Predigt in der Vesperkirche

    Heute habe ich in der Vesperkirche in Mannheim zu Mt 17, 1-9 gepredigt.
    Hier die komplette Rede:

    „Ein ziemlicher Spuk, unser heutiger Predigtext. Ist das Hobbit Teil wieviel? Oder doch die Fortsetzung von Harry Potter? Meine Güte, hoher Berg, helles Licht, eine Stimme aus der Wolke – alles klar. Glauben Sie das im Ernst?

    Was haben wir da eben gehört? „Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes (…) und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen (was heißt das überhaupt?), und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne (Wahnsinn!) und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. (Und das reicht nicht es geht weiter:) Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. (…) (Und weiter:) Da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!“

    Anders gefragt: Können Sie sich vorstellen, dass dieser Text und das beschriebene Geschehen fremd wirkt, zum Beispiel auf jemanden, der mit unserem Glauben nichts zu tun hat? Ja, das kann man sich wohl vorstellen. Jesus konnte sich das offensichtlich auch vorstellen, denn er hat nur Petrus und Jakobus und Johannes mitgenommen, die anderen Jünger nicht und auch sonst niemanden, und er schärft Ihnen ein „als sie vom Berge hinabgingen (…) Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen.“

    Eigentlich ist es ja ganz normal, dass einem etwas fremd ist. Fremd sind uns ja zunächst einmal alle Dinge, Menschen usw., die wir eben nicht oder noch nicht kennen. Ich war mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kurz vor Weihnachten in Berlin im sogenannten Französischen Dom und zwar zum Adventsliedersingen. Es war einfach so, dass eine Einladung kam und wir hatten am Abend ohnehin vor, unsere Weihnachtsfeier zu machen. Und ich hatte nicht ganz ernsthaft auf das Faltblatt geschrieben, ob wir da nicht vorher  zusammen hingehen wollen. Und dann wollten das tatsächlich alle machen, obwohl nur einer sogar Sohn eines Theologieprofessors ist, die anderen mit Kirche aber nicht eben viel oder auch nichts am Hut haben oder „janüscht“ wie es sich dort anhört. Und ich dachte toll, Weihnachtsbaum, volles Haus, Posaunenchor, danach haben wir dann alle, mich eingeschlossen, kapiert, dass bald Weihnachten ist. Wenn man diese Haltepunkte nicht einlegt, ist doch plötzlich wieder überraschender Weise der 24. Und dann war das Ganze aber eher ein Konzert als gemeinsames Singen, es gab keinen Baum, es gab nicht einmal ein Kreuz, auch keine Posaunen, voll war es auch nicht, und so wollte bei mir keine Stimmung aufkommen. Stattdessen saß ich da und habe die Texte der Lieder mitgelesen, die überwiegend von einem Chor vorgetragen wurden und habe ein wenig links und rechts in die Gesichter meiner Mitarbeiter geschaut. Und hatte das Gefühl, dass ihnen das Ganze: fremd ist. Ganz ohne Wolke, weißes Licht, solche Sachen – gut ein paar Engel und ein bisschen Jungfrauengeburt, auch kein ganz leichter Stoff – ja aber einfach fremd weil nicht damit aufgewachsen und vielleicht auch wegen einer Sprache, die es Menschen, die noch nicht dabei sind, doch schwer macht. Während bei mir die Melodien einfach so einsanken als etwas von Kind an Bekanntes und ich den Lukas-Text auch nur aus der Luther-Bibel hören will einfach weil das so gehört. Alle, die mit mir über geschlechtergerechte Sprache reden möchten, bitte ich um Nachsicht. Grundsätzlich gerne, aber nicht zu Weihnachten. Worauf will ich hinaus?

    Ich will darauf hinaus, dass es mich wundert, wie viele da draußen über andere, Fremde, zum Beispiel über den Islam, so genau Bescheid wissen. Wofür der Islam genau stehen soll, dass er nicht zu uns passe, dass er mit Demokratie nicht zu vereinen sei. Würde alles im Koran stehen, könne man dort alles lesen. Ja, meine Güte, in der Bibel kann man auch so einiges lesen. Und ich denke, ehrlicher Weise, ist doch die eine oder andere Stelle uns Christen auch: fremd, manches erst einmal unbegreiflich. Und das darf sie ja auch sein. Der Zweifel ist der Bruder des Glaubens. Die, die keinen Zweifel zulassen können, sind die Schlimmsten. Die vermeintlichen Bescheidwisser. Schauen wir doch nur die Jünger an, die Jesus sogar gekannt haben, die Tag und Nacht mit ihm zusammen waren, was erfahren Sie nicht alleine in der Szene auf dem Berg alles neu: Sie sehen Jesus auf Augenhöhe mit den Alten – bisher kennen Sie einen begabten Prediger und Heiler. Sie erfahren von Gott selbst, Stimme aus dem Himmel, „das ist mein Sohn“ – bisher erleben Sie den Zwiespalt bei den Juden, die sich gerne heilen lassen, ihn aber als Gesetzesbrecher aus der Synagoge werfen. Und sie treten in eine ganz neue Dimension ein, es ist so schön, sie wollen am liebsten für immer bleiben, statt wieder auf Wanderschaft gehen zu müssen. Wir wissen nicht alles, wir dürfen fremdeln, wir dürfen sogar erschrecken wie die Jünger, denen Jesus erst zusprechen muss „Steht auf und fürchtet Euch nicht.“

    Aber, das ist die Botschaft, wir sollen uns einlassen, auf das, was uns zunächst überfordert. Und einlassen auf die Welt –  nein, wir dürfen keine Hütten bauen auf dem Berg, wir müssen wieder hinab ins Tal, weg von den großen Gestalten des alten Bundes, weg vom hellen Licht, es war nur eine kurze Vision, jetzt sind wir wieder im Alltag gefragt, jetzt bringen wir selbst das Licht, ein kleines, ein schwaches, zu den Menschen, die es brauchen, es wärmt doch, es durchbricht die Dunkelheit, hier in der Vesperkirche, schon so viele Jahre, mit so vielen Helferinnen und Helfern. Vielen Dank für dieses Licht.

    Wir sollen uns einlassen. Auch auf die anderen Menschen, auch, gerade auf die Fremden. Deshalb freue ich mich so, dass Sie über Ihre Weihnachtskrippe geschrieben haben „Wir sind alle Juden“. Woanders habe ich gelesen: „Wenn man die Ausländer abzieht, bleiben nur noch Ochs und Esel übrig.“ Ich mag auch Ochs und Esel, aber die Botschaft ist ja klar. Wenn wir uns einlassen, können wir Überraschendes sehen:

    Gestern habe ich gehört, dass die beiden muslimischen Flüchtlinge im Lustadter Pfarrhaus für die fünf christlichen Flüchtlinge dort zusammengelegt und Ihnen einen Weihnachtsbaum geschenkt haben.

    Es geht noch mehr wie nur sich einlassen. Einlassen kann heißen: ich nehme wahr, dass mir etwas fremd ist und es bleibt fremd. Die Jünger werden auf dem Berg aber Zeugen einer Verklärung. Jesus wird verklärt – verwandelt – und Gott traut auch uns zu, uns zu verwandeln, zu verändern. So können wir auf die Menschen um uns herum zugehen. Wir können ihnen etwas zutrauen, niemanden einfach festlegen auf das, was wir gerade meinen zu sehen. Morgens Fremde, mittags Freunde. Verwandlung ist möglich.

    Und die Szene auf dem Berg ist ein Vorgriff auf die Auferstehung Jesu. Aber nicht nur Jesus steht wieder auf. Wir alle stehen wieder auf. Das ist die Zusage. Anders betrachtet: Wir stehen – solange wir können – sogar jeden Morgen wieder auf und können neu beginnen. Der Schweizer Theologe Pierre Stutz sagt:

    „Auferstehung bedeutet für mich, dass wir Menschen eingeladen sind, leidenschaftlich das Leben zu wählen, uns immer wieder dem Leben in die Arme zu werfen, uns einzusetzen für ein menschenwürdigeres Leben.“

    „Doch es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind.  Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und über die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ (Jes 9, 1f.) Petrus, Johannes und Jakobus haben ein großes Licht gesehen. Ein LichtBlick. Das können, im Kleinen, auch wir Menschen füreinander sein. Und der Friede Gottes, der höher ist als all´ unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne, in Christus Jesus. Amen.“

  • 19. Januar 2015

    Interview mit BBC zu Pegida und Einwanderung

    Die BBC hat mich heute zur abgesagten Pegida-Demonstration und zur Integrationspolitik in Deutschland interviewt.
    Die Aufnahme im englischen Originalton finden Sie hier.

    F: Was halten Sie von der Entscheidung, die Pegida-Demonstration abzusagen?
    A: Ich bin nicht glücklich darüber, aber die Polizei macht hier ihren Job und schützt die Menschen. Wir hatten eine konkrete Warnung über einen terroristischen Angriff auf den Pegida-Organisator Bachmann. Das ist eine Ausnahme, ein Einzelfall, und in diesem Fall gerechtfertigt.

    F: Doch gerade wenn europäische Politiker zurzeit die Meinungsfreiheit so sehr hochhalten, führt das Absagen einer Protestdemonstration dann nicht in die falsche Richtung?
    A: Ich verstehe die Kritik und hoffe, es ist eine einmalige Sache. Aber die erste Pflicht, die wir haben, ist es, das Leben der Bürgerinnen und Bürger zu schützen.

    F: Was ist mit der wachsenden Menge an Leuten, die an Pegida-Demonstrationen teilnehmen möchten? Denken Sie, dass Politiker – wie Sie – diesen Menschen genug Zeit und Aufmerksamkeit widmen?
    A: Wir müssen unsere Beziehung zu diesen Leuten verbessern und stärken und wir müssen mit ihnen sprechen und neue Räume für Dialoge schaffen, das stimmt. Was ich aber klarstellen möchte: Es gibt mehr Menschen auf den Straßen, die gegen Pegida demonstrieren, als Menschen, die im Namen von Pegida demonstrieren. Außerdem bringt Deutschland – zumindest in absoluten Zahlen – die größte Anzahl an Flüchtlingen in ganz Europa unter. Und hier herrscht eine überwältigende Großzügigkeit, Offenheit und Hilfsbereitschaft.
    Natürlich darf man Pegida nicht vernachlässigen, das ist klar, und wir müssen mit den Leuten auf der Straße in Kontakt zu bleiben. Dennoch ist Pegida nicht, was es behauptet zu sein. Es ist eine Minderheit, die ihre Unzufriedenheit ausdrückt.

    F: Wie gut integriert Deutschland Neuankömmlinge, Menschen mit verschiedenen Hintergründen? Und wie gut integrieren sich diese selbst? Wie gut integrieren sich Muslime, die nach Deutschland kommen, in die deutsche Gesellschaft?
    A: Wir werden immer besser, würde ich sagen. Mein Vater kam in den 1960-ern aus Italien nach Deutschland. Wir haben jetzt 50 Jahre Erfahrung mit Integration.
    Die Leute, die hier anfangs ankamen, bekamen überhaupt keine Ausbildung, keine Sprachkurse und solche Dinge. Aber heute, wissen wir, sind Sprachkenntnisse das Wichtigste. Und wir müssen die Leute arbeiten lassen. Auch Asylbewerber. Es ist einfach furchtbar zu Hause oder in einer Baracke zu sitzen und nichts zu tun zu haben.
    Ich glaube, es bleibt noch viel zu tun für uns. Es ist immer schwierig, wenn Leute zusammenkommen, die sich nicht kennen. Aber wir müssen ihnen helfen, sich gegenseitig besser kennen zu lernen und miteinander zu sprechen: Was möchten sie voneinander? Was macht gutes Leben in Deutschland aus?

    F: Lassen Sie uns kurz, wenn es Ihnen nichts ausmacht, über ein anderes Thema des Zusammenlebens sprechen, das zurzeit in Großbritannien und Frankreich viel diskutiert wird. Es geht um den Platz von Juden in der Gesellschaft und den wachsenden Antisemitismus, der manchen Juden den Eindruck vermittelt, dass sie das Land verlassen müssen. Tatsächlich ist aber auch Berlin ein Ort, den viele Juden aufsuchen, weil sie sich dort wohler fühlen. Erzählen Sie uns etwas über den Antisemitismus in Deutschland heutzutage?
    A: Wir sind froh, dass jüdisches Leben wieder in Deutschland stattfindet. Natürlich gibt es dort auch Angst, das ist vor dem Hintergrund unser Geschichte verständlich. Aber gerade Berlin ist eine große tolerante Stadt mit Leuten aus der ganzen Welt. Ich würde sagen, insgesamt ist das ein sicherer Ort für jeden und jeder ist willkommen, der unsere Verfassung achtet und sein Leben führt ohne anderen zu schaden.